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Grand Canyon, Phantom Ranch

Grand Canyon, Phantom Ranch

Kanab, 30. September 1996, 03:30 Uhr. Nach einer viel zu kurzen Nacht läutet der Wecker. Leise aufstehen, ein Blick durchs Fenster zeigt einen sternenklaren Himmel ohne Wolken. Der Wettergott meint es also gut mit uns. Zähneputzen, brausen - hmmm, rasieren muß nicht unbedingt sein, ich bin ja auf Urlaub. Durch den Lärm geweckt blinzelt Jutta hinter der Bettdecke hervor und freut sich, daß sie liegenbleiben kann, denn sie ist bei unserem Abenteuer nicht dabei. Die Salatblätter im Frühstücks-Sandwich sind auch nicht mehr ganz frisch und was gäbe ich jetzt für eine Tasse heißen Kaffees. Tja, man kann nicht alles haben und Wasser geht wenigsten gegen den Durst. Und der würde mich heute noch ordentlich plagen. Ich bereite noch die letzten Sachen vor, prüfe die Kamera, pack noch eine Notreserve Wasser ein und höre draußen auf dem Parkplatz eine Autotür klappen. Unsere Freunde waren auch schon munter und bereit zur Abfahrt und so machten wir uns zu dritt auf den Weg zum Grand Canyon Nord Rim.

Was eher harmlos begann, sollte die größte "Schinderei" meines Lebens werden. Guten Mutes, warm angezogen und mit reichlich Wasser versorgt machten wir uns in der Dämmerung so gegen 06:30 Uhr vom Parkplatz am Roaring Springs Canyon Trailhead an den Abstieg in den Grand Canyon. Die Talsohle war bald erreicht, aber der Weg entlang des ’Bright Angel’ vorbei am Cottonwood Campground zog sich ordentlich. Noch hatten wir das Glück, daß die Sonne noch nicht direkt in den tiefen Canyon schien und wir noch im kühlen Schatten gehen konnten.

Gegen Mittag erreichten wir dann endlich unser Ziel, die Phantom Ranch. Eine kräftige Jause und etwas zum trinken weckten wieder die Lebensgeister und so gingen wir noch die paar Minuten zum Colorado River weiter. Auf der Brücke, die über den Colorado zum South Rim führt, kehrten wir um machen uns wieder auf den Rückweg.

Und spätestens ab jetzt schlug die Sonne und somit die Hitze voll zu. Die Zunge klebte am Gaumen, das T-Shirt am Körper und der Rucksack am Rücken. Täuschte ich mich, oder wurde das Ding immer schwerer - gemeint waren der Rucksack aber auch die Füße. Am Cottonwood Campground füllten wir unsere Wasserflaschen mit lauwarmen Wasser auf - in dieser Situation schmeckte sogar das!

So gegen 15 Uhr glaube ich schon zu träumen. Uns kommt ein - wie wir dann im Gespräch erfahren haben - 72-jähriger, braungebrannter, nur mit Short, Turnschuhen und Baseballkappe bekleideter Dauerläufer entgegen. So 2 Mal in der Woche läuft er mit den ersten Sonnenstrahlen vom South Rim weg zum North Rim und wieder zurück - er möchte sich fit halten. Sprach es, und lief schon wieder weiter. Da kam ich mir ganz schön alt vor und ’latschte’ in der prallen Sonne weiter.

Die Sonne machte schon wieder lange Schatten, als wir den Aufstieg erreicheten, der uns wieder aus dem Canyon herausführen sollte. Vor uns liegen noch so an die 1500 Höhenmeter und ich verspüre eigentlich keine rechte Lust mehr. Jetzt ist die Sonne endgültig weg und es wird merklich kühler. Die letzten 45 Minuten kämpfen wir uns im Schein unserer Taschenlampen nach oben und als wir endlich den Parkplatz und somit auch unser Auto erreichen will keine rechte Stimmung aufkommen. Mir tut alles weh, ein klarer Fall von übertrainiert. Die Füße spüre ich hingegen überhaupt nicht mehr, dafür plagt mich der Durst.

Als wir dann so gegen 23:00 Uhr wieder Kanab erreichten, hat bis auf eine Pizzeria schon alles zu. Aber was gibt es schöneres als eine fette Pizza mit meat-balls und dazu eine eiskalte Cola. Wieder zurück im Motel suchte ich nochmals die Dusche auf und ob ich mich erst in das Bett gelegt habe und dann eingeschlafen bin oder schlafend in das Bett gekippt bin kann ich nicht mehr so genau sagen - auf jeden fall war ich komplett fertig und "streichfähig".


Resumee : Colorado River und Phantom Ranch - ja, aber nicht so. Wenn schon in einem Tag, wovon eigentlich alle einschließlich Parkranger abraten, dann nur über den wesentlich kürzeren Weg vom South Rim aus. Vernünftigerweise sollte man im Canyon übernachten, nur sind die Plätze begrenzt und man muß sich auf jeden Fall rechtzeitig anmelden um noch einen Schlafplatz zu ergattern. Der Ab- und Aufstieg sollte immer bald in der Früh erfolgen, denn die Hitze am Nachmittag ist mörderisch. Besonders wichtig ist, genügend Wasser mitzuführen. Auch sollte man sollte man sich nicht alleine auf den Weg machen, Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung sind Pflicht. Laut Ranger sind 90% der Rettungseinsätze auf Hitzschlag, Kreislaufprobleme oder Dehydration zurückzuführen. Ein Rettungseinsatz mit dem Helicopter, den man angeblich selber bezahlen muß, soll ordentlich teuer sein.


Klima : die Durchschnittstemperaturen im Canyon liegen von Juni bis Ende August tagsüber bei 40°C, nachts bei 24°C. Im Frühjahr und im Herbst ist es da mit 28°C am Tag und durchschnittlichen 13°C nachts direkt angenehm. Im Winter hat es im Canyon noch immer 13°C und in der Nacht knapp über dem Gefrierpunkt, während es am Rim jede Menge Schnee gibt.




Kontakt   Grand Canyon National Park Lodges, Reservations Department
 PO Box 699, Grand Canyon, AZ 86023, Phone (928) 638-2401, FAX (928) 638-9247
   Backcountry Reservations Office
 PO Box 129, Grand Canyon, AZ 86023
aktuelle Werte  Click for Grand_Canyon, Arizona Forecast


 
North Kaibab Trail, Overview North Kebab Trail am Morgen bei der Phantom Ranch bei der Phantom Ranch Colorado River mit östlicher Brücke ... wieder am Rückweg abends beim Aufstieg zum North Rim



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